Johann Felix Baldig

Johann Felix Baldig lebte im Südharz zunächst in Breitungen. Auf dem Backsplan bewohnte er ein altes Fachwerkhaus, das Puppenhaus. Nachdem Baldig es ersteigert hatte, fanden sich darin nicht mehr als einige zurückgelassene Puppen. Er bestattete sie nah beim Bauerngraben. Früher befand sich gegenüber dem Puppenhaus die Bäckerei. Der Bäckerplan, im Volksmund Backsplan geheißen, ist breiter angelegt als die übrigen Straßen des kleinen Dorfes. So fanden die Fuhrwerke, die das Mehl brachten, Platz zum Wenden. Derart ist menschlicher Siedlung der Abdruck alten Handwerks eingeprägt. Alle Backbleche in den Haushalten jener Gegend waren in Größe und Form den Maßen des alten vormaligen Ofens auf dem Backsplan angepasst. Ein wundersames Band verknüpfte die Vorrichtungen in den Häusern mit den Verrichtungen in der Bäckerei.

Baldigs Alltag auf dem Backsplan bestand in erhaltender und hegender Arbeit an Haus und Garten: Lehm, Stroh, Holz, Gefache, Ernte. In Gängen auf buchenbestandenen Kämmen, über Streuobstwiesen und alabasterfarbenen Karst. Nach morgendlicher Wanderung zum nahe gelegenen Bauerngraben, einer auch Hungergraben geheißenen Bachschwinde, zeichnete Baldig seine Beobachtungen zum Wasserstand auf. Ist der Hungergraben mit Wasser gefüllt? Ist er gar über Nacht trocken gefallen? Nach altem Brauch teilten sich die Bewohner zweier Dörfer das Recht auf Fischfang und Aussaat, je nachdem, ob der Hungergraben Wasser führte oder trocken lag. So stehen die Adnoten Baldigs in der Tradition der Ernteaufzeichnungen und durchmessen ländlichen Kosmos: Jagd und Wald, Pflanzen und Tiere, Geburt, Taufe, Hochzeit, Krankheit und Tod, Wasser und Dürre, Brauchtum des Harzes, protestantische Frömmigkeit schließlich und die Traditionen des Hauses Stolberg-Roßla.

Nach einer Station in Berlin als Referent der AfD-Bundestagsfraktion und gegenwärtig im Eichsfeld als Büroleiter von Björn Höcke bewohnt Baldig seit seinem Weggangs aus Breitungen (Südharz) als Autor und Verleger eine ehemalige Schule in Questenberg. Die Neue Hege Harz ist Verlagssitz und Antiquariat, Pension und Tagungsort, Dorfgemeinschaftshaus und patriotische Begegnungsstätte.

Letzte Texte unter anderem:

  • Ewelyna war schön – Zum Tode des Leipziger Fotographen Günter Rössler, in: KREUZER, Heft 2/2013
  • Romantische Spätmoderne – Im Gästehaus des Ministerrates: Wo Franz Josef Strauß die DDR zum Junkie machte, in: KREUZER, Heft 7/2013
  • Die Liebe ist stärker als der Tod – Zu Leben und Werk der Leipziger Malerin und Grafikerin Marie Caroline Gey, in: KREUZER, Heft 8/2013

  • Böse lauernder Stahlbeton – Argumente für einen Raketenbeschuss des Völkerschlachtdenkmals, in: KREUZER, Heft 10/2013

  • Die Vergangenheit des Wohnens, in: KREUZER, Heft 7/2014

  • Ich weiß nicht, welche Traurigkeit – Ironie im Angesicht des Niedergangs: Die Erzählungen Eduard Graf von Keyserlings, in: logbuch, KREUZER-Beilage zur Leipziger Buchmesse 2015

  • SIE brauchten das Fleisch der-Flüchtenden lebend“ – Fulminante Wendekritik: Reinhard Jirgls „Oben das Feuer, unten der Berg“, in: logbuch, KREUZER-Beilage zur Leipziger Buchmesse 2016

  • Das Gesicht des Vaters hinter Glas – Jens Wonnebergers Vater-Sohn-Roman „Himmelreich“, in: logbuch, KREUZER-Beilage zur Leipziger Buchmesse 2016

  • Ein sterbender, lebendiger Mann – Martin Walsers Vorschlag eines Flüchtlingshilfswerks der Grundeigentümer, in: COMPACT 4/2016
  • Lauter schöne Mädchen – Martin Mosebach zum 65. Geburtstag, in: COMPACT 8/2016
  • Brauttruhen, Kenotaphe (Romanauszug), in: Das Lindenblatt – Jahresschrift für Schöne Literatur, Neustadt an der Orla (Arnshaugk), 2016
  • Harte Arbeit, keusches Sehnen – Zur Gestalt der Liebe in Ernst Wiecherts Roman „Das einfache Leben“, in: Das Lindenblatt – Jahresschrift für Schöne Literatur, Neustadt an der Orla (Arnshaugk), 2016
  • Der Geschmack des menschlichen Fleisches – Künstlerische Interventionen der HGB-Studierenden in die „Sammlungen des weißen Mannes“, in: TUMULT – Vierteljahresschrift für Konsensstörung, Frühjahr 2017
  • Wir Menschen des Reiches, in: TUMULT – Vierteljahresschrift für Konsensstörung, Herbst 2017
  • Thüringer Wald, Hamburger Austern – Martin Walser im Gespräch mit Jakob Augstein, in: COMPACT 6/2018
  • Nuschka oder das protestantische Residuum (Romanauszug), in: Das Lindenblatt – Schriftenreihe für Schöne Literatur, Siebente Ausgabe „Der Traum“, Neustadt an der Orla (Arnshaugk), 2018
  • Sine vi, sed verbo – Wortgewalt in den preußischen Konsistorien, in: Das Lindenblatt – Schriftenreihe für Schöne Literatur, Siebente Ausgabe „Der Traum“, Neustadt an der Orla (Arnshaugk), 2018
  • Harz Wolfserwartungsland  – Wer wo überleben wird, in: TUMULT – Vierteljahresschrift für Konsensstörung, Winter 2018/19
  • Im Gefilde Teil 1: Der konsistoriale Stil, in: TUMULT – Vierteljahresschrift für Konsensstörung, Herbst 2019
  • Im Gefilde Teil 2: Höcke in Sondershausen, in TUMULT – Vierteljahresschrift für Konsensstörung, Winter 2019/20
  • Heger und Holder, in: Wolfgang Schühly (Hrsg.), Zeichen in die Esche geritzt – Rolf Schilling zum siebzigsten Geburtstag, Neustadt an der Orla (Arnshaugk), 2020